Psychosoziale Krisen

Was ist eine psychosoziale Krise?
Eine psychische Krise ist kein krankhafter Zustand; sie kann jeden Menschen in jeder Lebensphase betreffen.

Charakteristika von Krisen sind:

  • Menschen in ihrer momentanen Lebenssituation werden mit belastenden Ereignissen oder Lebensumständen konfrontiert, die bisherige Lebensziele in Frage stellen.
  • Die Betroffenen können die Situation momentan nicht mit ihren üblichen Lebensbewältigungsstrategien meistern. Das Versagen von Bewältigungsstrategien ruft bei den Betroffenen meist ein massives Gefühl von Überforderung hervor. Dies wird als unangenehm und bedrohlich erlebt. Es entstehen Spannung, Ärger, Verzweiflung, Traurigkeit und Lebensüberdruss.
  • Alle seelische und körperliche Kraft wird in die Problembewältigung investiert. Dadurch können oft die Herausforderungen des Alltags nicht mehr bewältigt werden und das Selbstwertgefühl ist massiv beeinträchtigt.
  • Erfolgt keine rechtzeitige Unterstützung, können Suizidgedanken oder Gewalt- und Aggressionshandlungen die Folge sein. Längerfristig kann es zu Alkohol- und Medikamentenmissbrauch, psychosomatischen oder psychischen Störungen kommen.
  • Krisen können aber auch ein Anstoß sein, dem eigenen Leben eine neue Wendung zu geben und somit die Erfahrung von Weiterentwicklung und Reifung bewirken.

Ereignisse oder Lebensumstände, die zu krisenhaften Entwicklungen führen:

Verlustkrisen werden durch plötzlich auftretende Ereignisse, deren schmerzliche Natur allgemein anerkannt ist, ausgelöst, z.B. den Tod einer nahestehenden Person, den Ausbruch einer lebensbedrohlichen Erkrankung, Trennungen und Verluste, plötzlichen Arbeitsplatzverlust und andere Schicksalsschläge.

Lebensveränderungskrisen werden durch Ereignisse des üblichen Lebensverlaufes, die zu veränderten Lebensumständen führen, z.B. das Verlassen des Elternhauses, Heirat, Umzug oder beruflicher Aufstieg ausgelöst, wenn sich die Betroffenen davon im Moment massiv überfordert fühlen. Dabei ist der Anlass der Krise für die Umwelt und für die Betroffenen zunächst oft selbst nur schwer nachvollziehbar.

Traumata sind schwere psychische und körperliche Belastungen, z.B. nach Gewalttaten, Unfällen oder Katastrophen, die unter normalen Umständen außerhalb der Erfahrung eines Menschen liegen. Sie können besonders tiefgreifende Folgen haben, da sie in beinahe jedem Fall die normalen Anpassungsstrategien des Menschen überfordern. Seelische und körperliche Verletzungen, die absichtlich durch andere - eventuell sogar durch Vertrauenspersonen - zugefügt werden, sind besonders bedrohlich. Im Allgemeinen bedeuten solch traumatische Ereignisse eine Bedrohung für das Leben oder die körperliche Unversehrtheit. Dadurch sind Menschen Erfahrungen von extremer Angst, Kontrollverlust und Hilflosigkeit ausgesetzt, Selbst- und Weltbild sind erschüttert.

Das Burnout-Syndrom entsteht durch eine lang anhaltende Belastung bzw. Überlastung eines personalen oder sozialen Systems bis zur völligen Erschöpfung der Ressourcen. Meist handelt es sich um ein Zusammenspiel von gesellschaftlichen Faktoren, institutionellen Rahmenbedingungen, Persönlichkeitsfaktoren und aktuellen beruflichen und/oder privaten Belastungen.